Unsere Story

Wie kommt man auf so eine Idee ?

Das ist wohl die Frage, die uns bisher am häufigsten gestellt wurde: von Kunden, Partner, Medien.

2015

Wir, Surya & Nils, leben mit unseren Kindern in Indien. Surya studiert zu dieser Zeit ihren Master “Modern Indian Studies” an der Universität Göttingen.

Surya ist dabei ihr Auslandssemester vorzubereiten. Es ist in ihrem Studiengang vorgesehen, dass sei ein Semester an einer indischen Universität studiert. Allerdings gibt es keine Universität auf der Partnerliste der Uni-Göttingen, die in der Nähe von Surya’s zuhause ist. Mit unseren Kindern sind wir aber hier gebunden.

Bhuvana

Wir kennen Renuka und ihre Familie schon etwa ein halbes Jahr. Beide Töchter studieren. Poovizhi, die jüngere, hat es bei den Eltern durchgesetzt.

Warum lasst ihr uns 12 Jahre zur Schule gehen, wenn wir dann nicht studieren dürfen, obwohl unsere Leistungen dafür gut genug sind?

Poovizhi
– In ihrer Erzählung, wie sie ihren Eltern verdeutlicht hat, dass sie und ihre Schwester, Bhuvana, studieren wollen. –

Bhuvana ist mit ihrem Bachelor-Studium fast fertig. Sie möchte einen Master machen, doch dafür reicht das Geld der Familie nicht mehr.

Renuka und ihr Mann hatten für das Studium der Töchter ihr Familiengold beliehen. Es ist aber noch nicht wieder ausgelöst, daher kommt es nicht in Frage, es wieder zu beleihen.

Arm / reich – oder so.

Renuka kommt auf die Idee uns zu fragen, ob wir nicht das Studium bezahlen könnten.

Wir sind weiß, deutsche Staatsbürger und haben mit dem Stipendium, dass Surya von der Studienstiftung des deutschen Volkes erhält, einen 6-er im Lotto gewonnen. Unser Einkommen ist viel höher als das einer durchschnittlichen indischen Familie.

Renuka sieht sich selbst als arm. Rein monetär betrachtet ist das sicherlich auch nicht ganz falsch, besonders im Vergleich zu Menschen aus Europa. Zu den “ärmsten der Armen”, oder zu strukturell benachteiligten Gruppen (Kasten) gehört ihre Familie allerdings auch nicht.

Unsere Antwortmöglichkeiten

1) Nein, Renuka, das ist dein Problem.

Was können wir schon dafür, das es andern Menschen halt nicht so gut geht wie uns?

Wir haben den richtigen Pass in der Tasche, Zugang zu Förderung, usw.

==> Das wäre ziemlich undankbar.

2) Ja, hier ist das Geld – ist schon Okay.

Renukas Selbstverständnis ist, dass sie klein, braun und arm ist. Wir dagegen sind in ihren Augen weiß und reich.

Diese Wahrnehmung existiert schon seit Jahrhunderten und wird ständig durch “Spenden für die Armen”-Aktionen und gut gemeinte, aber irgendwie nicht gut gemachte Hilfsprojekte verfestigt.

Die sogenannte Orientalismusdebatte kennt Surya aus ihrem Studium sehr gut. Geld einfach schenken, weil es nunmal der Wahrnehmung entspricht und einfach ist?

Dies führt dazu, dass sich das Selbstverständnis und das Verständnis des Verhältnisses zwischen braunen und weißen Menschen verfestigt, anstelle ein Verständnis auf Augenhöhe anzustreben. Wollen wir das?

==> Nein, das wollen wir auch nicht.

Der andere Weg

Da wir weder Ja, noch Nein sagen konnten, haben wir Renuka gesagt, wir würden gerne unsere Freunde und Familie in Deutschland mit einspannen.

Es wäre aber nett, wenn wir ihnen ein persönliches Dankeschön von ihr, oder Bhuvana mitbringen könnten.

Was hab ich denn? Ich bin doch arm.

Renuka

Renuka wusste nicht, was sie uns mitgeben sollte. In ihren Augen hatten reiche Menschen in Europa auch anspruch auf besondere Geschenke. Etwas Besonderes fand sie selbst bei sich allerdings nicht.

Wir haben dann zusammen überlegt und sind irgendwann auf ihre Curry-Mischung gekommen, die sie selbst für ihre Familie herstellte, so wie viele andere Familien auch.

Das ist doch nichts Besonderes, das hat doch jeder.

Renuka

Renuka war nicht überzeugt. Aber da wir bald zurück nach Deutschland fliegen würden, willigte sie ein. Wir haben dann mit ihr alle Zutaten am Straßenrand eingekauft und sind mit ihr zur Mühle gefahren, um die Zutaten zu Pulver vermahlen zu lassen.

In 100g Tütchen verpackt haben wir das Pulver dann mit nach Deutschland genommen und es an unsere Freunde und Verwandten gegen eine Spende verteilt.

Nach dem Sommer hatten wir erstmal genug Geld zusammen, um Bhuvana weiter an die Uni zu schicken.

Das Feedback:

Wir konnten kaum glauben, dass man gutes Curry nicht in Deutschland kaufen konnte.

Als wir das nächste Mal in Deutschland waren, haben wir in allen Supermärkten die Currypulver unter die Lupe genommen.

Supermarkt-Curry != Hausfrauen-Curry

Uns ist dabei aufgefallen, dass fast alle Curries im Handel (mit nur einer Ausnahme, die wir gefunden haben) als Hauptzutat Kurkuma benutzen.

Der Rohstoff ist auf dem Weltmarkt billig und er erzeugt die Assoziation mit Curry (gelb).

Außerdem haben wir Zucker, Salz, Zwiebelpulver und Knoblauchpulver auf den Zutatenlisten der handelsüblichen Currymischungen gefunden (bio und konventionell).

Diese Zutaten kenn wir aus authentischen Currymischungen nicht (mit einer regionalen Ausnahmen: Salz in einer bestimmten Gegend in Rajastan). Dort werden Salz, Zwiebeln und Knoblauch werden in der Zubereitung der Gerichte benutzt, allerdings nicht in der Gewürzmischung in Pulverform.

Das Problem dabei ist, dass Zucker, Salz, Zwiebelpulver und Knoblauchpulver extrem billige Rohstoffe sind und, genauso wie übermäßig viel Kurkuma, sehr wenig Geschmack liefern.

==> Es sind Füllstoffe

Die Curries, die wir aus Indien mitbrachten, hatten sowas nicht. Als wir Renuka mal fragten, warum sie keine fertige Mischung im Laden kaufe (ja, das gibt’s in Indien auch), sagte sie uns:

Da weiß doch niemand, was wirklich drin ist.

Renuka

Stimmt, fast so wie bei uns in Deutschland.

Das Problem das wir feststellten, war, es gibt in Deutschland anscheinend eine Annahme, wie “Currypulver” in Indien sein soll. Diese Annahme passt allerdings in keiner Weise zur Realität, nämlich, wie Currypulver tatsächlich ist: sehr aromatisch, frei von Füllstoffen und sehr divers.

2016

Kann man mit Currypulver systematisch Bildung finanzieren?

Grundsätzlich hatten wir die Frage ja schon beantwortet, allerdings fragten wir uns, ob das auch mit mehr Menschen (Familien & Studierenden) geht.

Wir kannten mittlerweile Mina, die drei Kinder hat und in der Nachbarschaft arbeitete. Ihr Mann arbeitete als Bauarbeiter im ca. 300 km entfernten Bangalore.

Ihr Sohn Arun studierte Computer Engineering in einem lokalen College und arbeitete nebenbei als Nachtwächter, um die Familie zu unterstützen.

==> Das ist nicht alltäglich in Indien.

Jungen, insbesondere, wenn sie die einzigen Jungen der Familie sind, werden oft hochgehalten, wie kleine Könige und ruhen sich auf ihren Privilegien aus.

In Deutschland

Wir versorgen also wieder im Sommerurlaub unsere Freunde und Familie mit Currypulver aus Indien.

Dieses Mal zwei Sorte: Renukas und Minas.

Das Geld reichte, um beiden Studierenden das Studium voll zu finanzieren. Bhuvana hatte mittlerweile ihren Master Studiengang angefangen und Arun konnte sein Bachelor Studium beenden, ohne dass seine Eltern neue Schulden für ihn aufnehmen mussten.